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Per ER 2026-01-08

Blut und Wärme

BY XXXXXXXXX

Es ist eine Geschichte, die wütend macht. Und eine Geschichte, die Sie kennen müssen, wenn Sie im Nordwesten die Heizung aufdrehen.

Eine Aufarbeitung der Studie “Der Verband” von Dr. Ingo Harms.

Wir heizen durch Oldenburg“. Dieser Slogan der EWE prangt auf vielen Bussen unserer Stadt. Er soll wohl Nähe, Komfort und Sicherheit vermitteln. Doch wer damit an der Karl-Jaspers-Klinik in Wehnen vorbeifährt, der spürt eine ganz andere Kälte.

Ein Bus heizt durch Oldenburg

Recherchen von Historikern in unseren Archiven und Behörden decken auf:
Unsere Infrastruktur und Kultur steht zum größten Teil auf einem Fundament der Tyrannei.

Der 24-Pfennig-Tod

Was hier in Oldenburg passierte, war kein Mangel – es war kalkulierter Mord.
Das System war teuflisch simpel:
Hier entzog man, im Namen der Medizin, den Schwächsten die Nahrung um möglichst gut mit ihnen Kasse zu machen.

1930: Die Hungerökonomie in der Heil- und Pflegeanstalt Wehnen beginnt, Lokalzeitung berichtet von Patienten, der auf einen Baum flüchtet.

Besonders perfide war die bürokratische Kälte: Der Verwaltungsleiter Heinrich Siems rühmte sich 1942, er habe den Patienten überhaupt keine Butter ausgegeben, obwohl sie ihnen rechtlich zustand.
Er sparte den Sterbenden das Fett vom Brot, um es gewinnbringend zu verkaufen.

Ein Dokument des Grauens trägt die Handschrift von Carl Ballin.
Der hoch angesehene Bürokrat rechnete 1936 vor:

Ein behindertes Kind kostet uns täglich 1,40 Reichsmark. Wenn wir ihm fast nichts mehr geben, machen wir 219 Reichsmark „Reineinnahme“ pro Jahr.
Pro Kind!****

1945 war der Tiefpunkt dieser Unmenschlichkeit erreicht:
24 Reichspfennig für die Tagesverpflegung eines Patienten. Ein Erwachsener brauchte zum Überleben 40. Darunter begann das langsame, qualvolle Sterben.

Mindestens 1.500 Menschen verhungerten so qualvoll und vorsätzlich in Wehnen. Nicht weil kein Essen da war. Sondern weil ihr Hungerleiden Gewinn abwarf.

Die dahinterstehende, juristische Kälte zieht sich bis in die Gegenwart:
Überlebende von Zwangssterilisationen kämpften jahrzehntelang vergeblich um Anerkennung. Erst 1988 erklärte der Bundestag das Sterilisationsgesetz zu NS-Unrecht, eine formelle Verurteilung erfolgte gar erst 2007.

Bis heute sind diese Menschen anderen Opfergruppen nicht vollständig gleichgestellt; sie haben beispielsweise keinen Anspruch auf eine Rente.

Man fragt sich, welcher Personenkreis es ist, der hier so erfolgreich die nötige Lobbyarbeit leistet, denn in der Öffentlichkeit ist mir das Thema oder etwaige Interessensvertreter in 32 Jahren nie begegnet.

Wohin floss das Blutgeld?

Dieses Geld, diese sog. „Reineinnahme“ aus dem Verhungern von Kindern und Kranken, wurde nicht nur in Tresoren und Socken versteckt.
Es steckt auch in den Straßen, in den Leitungen und insbesondere in unserer Kultur.

Der Gas-Gigant:
Im April 1940 gründete der Landesfürsorgeverband (LFV) mit diesem Hungerkapital die Ferngasversorgung Weser-Ems GmbH.

Das ist die Mutter der heutigen EWE AG, einem kommunalen Grundversorger.

396.000 Reichsmark Startkapital – gestohlen von den Tellern der Kranken. Bis 1978 kassierte der Verband Dividenden aus diesem blutigen Investment.

Das Museum:
Auch das idyllische Museumsdorf Cloppenburg wurde 1944 mit diesem Geld vor der Pleite gerettet. Bauernhof-Romantik, finanziert durch Euthanasie-Gewinne.

Nur ein schlechter Gag am 1. April? Namensgeber für das Staatstheater waren 1938 die Nazis.

Der Aktenskandal: Verrotten lassen statt Aufklären

Was mich erschüttert, ist der systematische Umgang mit Akten, der eine Aufklärung bis heute faktisch unmöglich macht. 1995 vernichtete das Amt Akten, die nach Einschätzung von Historikern zwingend hätten archiviert werden müssen.** Auch in der Karl-Jaspers-Klinik selbst wurden noch 2009 tausende Patientenakten geschreddert**, weil die Geschäftsleitung die Verantwortung für den Datenschutz ablehnte – ein unwiederbringlicher Verlust für die Forschung und die Angehörigen.

Hier offenbart sich das Problem der Gegenwart:
Viele Behörden weigern sich bis heute – möglicherweise rechtswidrig –, Aktenbestände an das Staatsarchiv abzugeben.

Die Wahrheit bleibt verschlossen oder ist für immer verloren.

Anstatt die Geschichte aufzuarbeiten, lagern brisante Dokumente in mittlerweile zerfallenden Bauwerken, feuchten Kellern und Rumpelkammern der Ämter.
Sie verrotten systematisch.

Es wirkt wie Taktik: Was der Schimmel frisst, muss man nicht aufarbeiten.

Der Bezirksverband Oldenburg (BVO), der Nachfolger der Täter-Organisation, wird von Steuergeldern finanziert. Doch statt Transparenz gibt es Mauern.
Historiker berichten, dass Kooperationsangebote abgelehnt werden.
Täter werden währenddessen in eigenen Chroniken zu Opfern stilisiert.

Wir zahlen dafür, dass die letzten Beweise dieser unglaublichen Schicksale verschimmeln und Narrative umgedeutet werden.

Die Täter: Dicke Karriere beim Land Niedersachsen statt Knast

Wer nun glaubt, nach 1945 klickten die Handschellen, der irrt gewaltig.
In Oldenburg gab es keine „Stunde Null“. Es gab neue Visitenkarten.

  • Werner Ross, der Architekt des Systems:
    Wurde Vizepräsident des Verwaltungsbezirks Oldenburg.
  • Carl Ballin, der Todes-Buchhalter:
    Stieg auf zum Oberkreisdirektor.
  • Wilhelm Oltmanns, der Kinder als „unwirtschaftlich“ abstempelte:
    Wurde Oberstadtdirektor.

Sie alle machten weiter.
Sie bauten Villen, kassierten üppige Pensionen, schüttelten Hände.
Niemand musste sich je rechtfertigen oder gar büßen.

Wer das Gelände der heutigen Karl-Jaspers-Klinik verlässt, dem fallen zwangsläufig die EWE-Werbeplakate an den Verteilerkästen ins Auge. “Zuhause ist nah”. Es wirkt wie Verhöhnung.

Die bittere Einsicht

Bis in die 70er Jahre mussten Patienten nachweislich im Moor Zwangsarbeit leisten. Umsonst.

Wärme, Energie, Wohlstand – all das hatte hier einen furchtbaren Preis.

Ich stelle mir die Frage:

Welches Maß an Niedertracht steckt noch heute in unseren gemeinwohlorientierten Prozessen?

Alle Akten, die nicht mehr gebraucht werden, gehören ins Archiv, nicht in den Schredder.
Schuldhafte Staatsdiener im Sinne unserer Verfassung müssen endlich aktiv ausgeschlossen werden.****

Was in diesem Zusammenhang noch eine Erwähnung verdient:
Die Fortführung des Kulturpasses, einer Förderung des Bundes für die regionale Kultur und junge Menschen wurde mit der Begründung eingestellt, dass die Finanzierung “verfassungsrechtlich nicht gedeckt” sei.

Die Konsequenz der Geschichte liegt auf unserer Hand:
Nachhaltiger Wohlstand kann nur auf Wahrheit und Transparenz wachsen.

Statten Sie der Gedenkstätte Wehnen bei Gelegenheit doch bitte einen Besuch ab und reproduzieren Sie die Schicksale, die ausradiert werden sollten.

#PRÜF


ℹ️ Gedenkkreis Wehnen e.V. – Ein starkes Zeichen der Zivilgesellschaft

„Die Schwachen und Kranken zu schützen ist die Würde der Gesunden.“

Gegen das Vergessen: Was 1997 als einzigartige Initiative von Angehörigen begann, ist heute eine unverzichtbare Institution. Der Gedenkkreis sorgt dafür, dass die Opfer der NS-Krankenmorde ihre Namen zurückerhalten. 2004 wurde durch dieses Engagement die Gedenkstätte „Alte Pathologie“ als würdiger Erinnerungsort eröffnet.

Besuch & Angebote:

  • 🎧 Neu: Erkunden Sie die Ausstellung mit dem Audioguide.
  • 🗣 Führungen: Öffentliche Führung an jedem letzten Freitag im Monat um 16:00 Uhr (Anmeldung erbeten).
  • 🤝 Engagement: Diese Erinnerungsarbeit wird von Ehrenamtlichen getragen – unterstützen Sie sie durch Ihren Besuch, eine Spende oder Mitgliedschaft.

📍 Adresse & Kontakt Gedenkstätte Wehnen (auf dem Gelände der Karl-Jaspers-Klinik) Hermann-Ehlers-Str. 7, 26160 Bad Zwischenahn

🌐 Webseite: www.gedenkstaette-wehnen.de

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ITEM REF: SC-2026-002PUB DATE: 2026-01-08
Unbekannt
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