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NO. SC-2026-007
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Per ER 2026-01-24

Die Hierarchie der Opfer

BY XXXXXXXXX

Wir lügen uns gerne in die Taschen.
Wir sagen: “Jedes Leben ist gleich viel wert.”
Das steht im Grundgesetz, das predigen wir sonntags.
Aber wer sich die Realität im Nordwesten anschaut, wer die Akten liest und an die Gräber geht, der sieht eine ganz andere, unangenehme Wahrheit.

Der Wollepark

Es gibt scheinbar eine stille Übereinkunft in Amtsstuben und Redaktionen:
Wir sortieren unsere Toten. Es gibt Opfer erster Klasse – und es gibt den Rest.

Wer unter staatlicher Aufsicht stirbt, bekommt nicht automatisch Gerechtigkeit. Er bekommt sie oft nur dann, wenn es politisch “nützlich” ist. Ich habe mir die Fälle der letzten Jahre angesehen, die mir im Alltag begegneten.

Das Muster, das sich zeigt, wirft Fragen auf, die wehtun:

Zwei Jungen. 19 Jahre alt. Zwei Welten.

Legen wir die Fakten nebeneinander.

Der Ort, an dem Qosay K. vor der Polizei flüchtete, ein Jahr nach dem Vorfall

Da ist Qosay K., 19 Jahre alt. Sein Tod in Delmenhorst 2021 war ein Beben. Zurecht. Monatelange Recherchen, Demos. Journalisten hinterfragten jede Sekunde des Polizeieinsatzes.

Die Erklärungsversuche der Behörden wirkten dabei teilweise verstörend:
Die Staatsanwaltschaft stellte laut taz zeitweise die gewagte These auf, Qosay könnte “Superabsorber” aus Windeln geschluckt haben. Man diskutierte chemische Details, statt sich der simplen Frage zu stellen, ob die Fixierung eines Menschen in diesem Fall verhältnismäßig war.

Aber das System stand unter Druck. Weil Qosay eine Lobby hatte.

Und dann ist da Hannes E.

Dieses Foto fand sich im Frühjar 2023 in der Nähe des Ortes, wo Hannes E. sein Leben verlor

Auch er war 19. Ein junger Fußballer aus dem Ammerland.

Januar 2023. Die Polizei kontrolliert ihn auf einem E-Scooter. Er hat 1,34 Promille. Sie nehmen ihn mit zur Blutprobe. Und dann?
Dann setzen sie den betrunkenen Teenager wieder vor die Tür.

Um 4:20 Uhr morgens. In die Dunkelheit.

Eineinhalb Stunden später ist Hannes tot. Erfasst von einem Zug.

Und der Aufschrei? Es gab keinen.

Ein Gedenkort für Hannes

Wer ermittelte? Die Polizei Delmenhorst gegen die Polizei Oldenburg. Die Kollegen von nebenan. “Neutralität” nennen wir diese ausgeklügelte Ermittlungsstrategie.

Weniger als 12 Stunden nach seinem Tod meldete die Presse lapidar: “Fremdverschulden ausgeschlossen.” Fall erledigt. Akte zu.

Das hätte George Orwell nicht besser schreiben können.

Warum fragte niemand den Polizeipräsidenten, warum seine Beamten einen betrunkenen Teenager nach einem Eingriff in seine körperliche Unversehrtheit nachts allein in die Kälte schicken? Womöglich, weil Hannes nicht in das politische Raster passte. Er taugte nicht für eine Kampagne.

“Abgerutscht” – Wie man Opfer unsichtbar macht

Diese Kälte trifft die Schwächsten am härtesten.

Gedenkort für Glen

Nehmen wir Glen. Viele kannten ihn vom Sehen, er gehörte zum Stadtbild. Als er starb, blieb die Stadt ungewohnt ruhig. Selbst die, die sonst laut “Solidarität” rufen, blieben fern. Als ich am Bahnhof das erste Mal den Gedenkort sah und eine Kerze anzündete, war ich völlig überrascht und allein. Ein anderer Passant bedankte sich für das Anzünden der Kerze. Das war alles.

Glen war existent, aber offenbar nicht relevant genug.

Oder der Mann auf dem Dach am Pferdemarkt.

Ein SEK-Einsatz mit massivem Aufgebot. Der Mann drohte laut Polizei zu springen, sobald sich Einsatzkräfte näherten.

Man setzte offenbar Knallkörper ein und hievte einen scharfen Polizeihund auf das Dach.

Man muss die Frage stellen dürfen: Ist das die richtige Taktik bei einem Menschen, der am Abgrund steht?
Wirkt das wie eine Rettung oder eher wie eine Jagd?

Am Ende sprang der Mann.
Die offizielle Version? “Psychische Ausnahmesituation.”
Auf der Straße höre ich: “Der ist halt abgerutscht.

Damit war die Sache erledigt. Wer als “verrückt” abgestempelt wird, dem hört keiner mehr zu. Die Pathologisierung dient oft als Schutzschild:
Wo Wahnsinn diagnostiziert wird, verstummen die Fragen nach der Verhältnismäßigkeit des Einsatzes.

Das historische Erbe

Meine Kopien der Studien von Dr. Ingo Harms.

Woher kommt diese bürokratische Kälte?

Sie hat Tradition hier. Eine Tradition, die ich hier schon öfter behandelt habe:

Die Akten von Dr. Ingo Harms belegen den historischen Sumpf. Er forschte nicht für Ruhm, sondern weil seine Familie ein Trauma hatte. Seine Großmutter, Gesine W., starb in der Anstalt Wehnen genau an dem Tag, als ihre Tochter sie besuchen wollte.

“Die ist schon vier Wochen tot”, log man ihr ins Gesicht.

Es war System. Und das ist der Punkt, der uns heute noch beschäftigt:

Diese bürokratische Kälte, dieses Rechnen mit Menschenleben, ist ein Erbe, das eine besondere Verantwortung mit sich bringt.

Die Befreiung bekamen wir geschenkt. Aber sie war nicht umsonst.
Freiheit ist nicht der Grundzustand.

Wer redet, lebt gefährlich

“Das ist lange her”, sagen Sie?

Wer redet, wird nicht mehr geschützt: Unser Landesarchiv im gegenwärtigen Zustand

Dann schauen Sie sich den Fall Lars Winkelsdorf an. Das ist gerade sehr aktuell.

Ein anerkannter Waffenexperte, der im Bundestag sprach. Bis er etwas unbequemere Dinge erwähnte.

Kürzlich stürmte ein Rollkommando die Wohnung seiner 75-jährigen Mutter. Er schildert Szenen purer Einschüchterung.

In den Akten häufen sich nach seiner Darstellung Fehler, die kaum noch als bloße Versehen zu erklären sind. So wurde aus einer legalen “SLK”-Waffe in den Papieren eine “Sempert & Krieghoff”. Ein paar Buchstaben geändert – und schon steht der Experte als Verdächtiger da. Seine Qualifikationen fehlten plötzlich in der Akte.

Die Schilderungen, sollten sie zutreffen, wirken wie Zersetzung:
Wer das System herausfordert, wird unglaubwürdig gemacht.
Seine bürgerliche Existenz gerät ins Wanken.

Die Heuchelei muss aufhören

Wir müssen aufhören, Opfer zu sortieren.
Gerechtigkeit darf keine Frage der politischen Mode sein.

Wenn wir für Qosay auf die Straße gehen, ist das richtig. Nur sollten wir dann auch schreien, wenn Hannes in der Kälte stirbt.
Wir müssen Glen gedenken, auch ohne Adresse.

Und wir müssen unbedingt denen zuhören, die unbequeme Wahrheiten aussprechen, wie Winkelsdorf und Harms.

Alles andere ist keine Solidarität.
Alles andere ist Heuchelei.

ITEM REF: SC-2026-007PUB DATE: 2026-01-24
Unbekannt
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